Jigs mit Stahlkopf und Sollbruchstellen - zur Schonung von Umwelt und Geldbörse


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Veröffentlicht am 1. August 2018

Ideen

1. Jigkopf aus Stahl statt Blei

Mein Ziel war, beim Jigangeln einen Ersatz für das giftige Blei zu finden. Stahl scheint mir am besten geeignet. Weil Stahl ist auch relativ schwer, ungiftig, verschwindet rasch wieder aus dem Gewässer, weil es einfach verrostet und ist billig.

Da man Stahlköpfe nicht gießen kann, weil dabei der Haken mitschmelzen würde und ich ohnehin nicht die technischen Möglichkeiten dazu hätte, besorgte ich mir Stahlkugeln und lose Jighaken. Das naheliegendste, um die beiden zu verbinden ist, einen Schlitz in die Kugel zu sägen, den Jighaken im Schlitz zu positionieren und darin zu befestigen. Das einfachste ist, die Kugel mit dem Schraubstock zusammenzupressen. Funktioniert grundsätzlich, aber der Haken wackelt manchmal etwas.

Bei ein wenig Internet-Recherche habe ich gefunden, dass im Forum www.angler-info.eu die naheliegende Idee mit dem Schlitz bereits beschrieben ist. Allerdings wird dort der Haken nicht eingeklemmt, sondern eingelötet, was mir zu aufwändig und wegen der hohen Temperaturen und Dämpfe auch nicht ganz ungefährlich und eher ungesund erschien. Es gab aber auch den Vorschlag, den Haken mit einem Zweikomponenten-Kleber fix einzukleben.

Der Vorschlag mit dem Verkleben brachte mich auf die Idee, wie ich die von mir angestrebte Sollbruchstelle realisieren könnte. Mir schwebte eine Verklebung mit Silikon oder ähnlichem vor, die einen gewissen Zug aushält, aber vor dem Schnurriss aufgeht.

Lösung:
Details siehe Seite Jighaken

 

 

 



2. Lösbare Verbindung zwischen Jigkopf und Jighaken = Sollbruchstelle für Kopf-Hänger

Die Klebestelle ist die Sollbruchstelle, die bei ca. 3-5 kg Zug aufgeht. Der Plan ist, dass man mit dieser Sollbruchstelle bei Jigkopf-Hängern - z.B. in der Steinpackung - die Chance hat, dass man den (wertvollen) Gummiköder und auch den Rest der Montage nicht verliert. Mit einem hekömmlichen, fix verbundenen Bleikopf hat man diese Chance nicht. Es geht nur die billige Stahlkugel verloren, die ungiftig ist und im Gewässer verrostet. Voraussetzung ist natürlich, dass die Hauptschnur und das Vorfach eine höhere Reissfähigkeit als die Klebestelle haben. Durch die Sollbruchstelle ist man also dem Ziel der möglichst geringen Umweltbelastung noch ein Stück näher, weil auch weniger Plastik und Weichmacher im Fluss landen (und billiger wird es auch). Aber natürlich stellt der Kleber selbst auch eine gewisse Umweltbelastung dar. Ich denke das Prinzip Sollbruchstelle ist gut, aber die Umsetzung sollte noch verbessert werden. Also eine lösbare Verbindung ohne Kleber. Wer hat eine gute Idee?

Die Praxistests zeigten, dass die Sollbruchstelle aber nicht sehr zuverlässig ist. Vermutlich weil sich oft nicht der Kopf alleine verhakt, sondern gemeinsam mit dem starr verbundenen Haken. Dadurch verklemmt sich der Jighaken vermutlich so, dass nicht die volle Zugkraft auf die Sollbruchstelle wirkt. Aber trotzdem: Öfter funktioniert sie und jeder gerettete Köder ist ein Gewinn für Umwelt und Geldbörse. Übersteht der Köder mehrere Brüche der Sollbruchstelle, so wird er durch das ruckartige Lösen trotzdem mit der Zeit beschädigt werden. Für die Umwelt ist es trotzdem ein Gewinn, weil der Gummiköder kann dann in der Mülltonne entsorgt werden und landet nicht im Fluss.

Es gibt natürlich Hänger bei dem nur der Haken alleine hängt. Mit dünndrähtigen Jighaken hat man auch da eine gewisse Chance, den Köder zu retten. Beim Drill muss man damit halt vorsichtiger sein.

Lösung:
Details siehe Seite Jighaken

Die Idee mit der Sollbruchstelle beim Kopf gefiel mir so gut, dass ich darüber nachdachte, ein System zu bauen, bei dem auch der Haken über eine eindeutig definierte Sollbruchstelle verbunden ist. Und wenn Haken und Kopf nicht mehr starr verbunden sind, müsste auch die Sollbruchstelle beim Kopf noch zuverlässiger auslösen, weil sich der Kopf bei einem Hänger in Zugrichtung der Schnur drehen kann.

Gesagt, getan:

3. Ersatz des Jighakens durch einen Stinger mit Einzelhaken = Sollbruchstelle für Hakenhänger
Die Sollbruchstelle beim Haken ist schon erfunden ist, nämlich in Form des Stingers, bei dem man nur ein Stahlvorfach mit geringerer Reißfestigkeit als bei Hauptschnur und Vorfach nehmen muss. Bei den herkömmlichen Stingern werden Drillinge verwendet. Ich mag Drillinge nicht, weil die Verangelungsgefahr relativ groß ist. Ich verwende lieber Stinger mit Einzelhaken. Auch die Hängergefahr ist damit geringer.

Da der Jighaken durch den Stinger ersetzt wird und folglich nicht mehr vorhanden ist, ist für die Jigkopf-Sollbruchstelle und für die Verbindung zum Gummiköder eine andere Lösung erforderlich.

Eine einfache Lösung ist, bei einem losen Jighaken die Spitze abzuzwicken und den Hakenschenkel zu einer Öse zu biegen. Das funktioniert z.B. gut mit dem dünndrähtigen VMC-Haken 9147. Der Gummifisch wird durch ein quer in Gummifisch und Öse gestecktes Hozstäbchen (Zahnstocher) gehalten.

Lösung:
Details siehe Seite Jigsystem

 

 

 



Eine andere Möglichkeit ist, eine Drahtspirale zur Befestigung des Gummifisches zu verwenden. Diese Lösung gibt es bereits, nur eben jetzt in der Variante, dass die Drahtspirale nicht in den Kopf eingegossen ist, sondern wieder nur im Stahl-Jigkopf eingeklebt ist, wodurch sich die Sollbruchstelle auch bei der Drahtspirale ergibt.

4. Grundel-Jigsystem (Ergänzung am 11. Mai 2019)
Das ist der ökologisch gesehen konsequenteste Lösungsansatz. Die Umweltbelastung durch abgerissene Gummiköder wird vermieden, weil hier als Köder Schwarzmeer-Grundeln verwendet werden. Dieses System kommt auch ohne Kleber zum Befestigen des Drahthakens aus, erzeugt dadurch also auch keine Umweltbelastung. Das System verhält sich ähnlich wie ein Jig mit Gummifisch, weil das Blei sehr nahe am Fischkopf ist. Die Grundel hält gut (auch aufgetaut), weil sie eine sehr zähe Maulpartie hat.

Lösung:
Details siehe Seite Grundel-Jigsystem


 

 

 


Zusammenfassung:

- Der Umstieg von Blei auf ungiftigen Stahl klappt und ist die Sache wert.
- Die Sollbruchstellen sind ein weiterer Ansatz Richtung umweltschonenderes Jiggen. Man darf sich aber keine hundertrozentige Zuverlässigkeit erwarten und die Umsetzung der Idee Sollbruchstellen kann man sicher auch noch verbessern.

Anmerkungen zu den Sollbruchstellen:
Wie gesagt, man darf sich nicht erwarten, dass sie bei jedem Hänger funktionieren. Ist einfach davon abhängig, wie 'blöd' der Kopf und/oder der Haken oder ev. auch der Snap hängt. Aber jeder nicht abgerissene Köder ist ein Gewinn für Umwelt und Geldbörse. Und es erhöht sich auch die effektive Angelzeit am Wasser, weil nicht bei jedem Hänger die komplette Montage erneuert werden muss. Und es spart Nerven, vor allem bei Dunkelheit und Kälte.

Und die Sollbruchstelle beim Jigkopf ist ja sowieso kein Mehraufwand, die ergibt sich einfach aus der Art der Herstellung des Jigs. Ich verwende aber trotzdem hauptsächlich das aufwendiger herzustellende Jigsystem, das auch beim Haken eine Sollbruchstelle hat.
Warum? Durch die Verwendung meines Jigsystems kann ich unterscheiden, was die Ursache des Hängers ist. Und da ich festgestellt, dass zumindest bei meiner Fischerei in der Donau zum überwiegenden Teil, der Haken und nicht der Kopf hängt, was man bei den Steinpackungen eher vermuten würde.

Weitere wichtige Anmerkungen zum Thema Einsatz von Sollbruchstellen:
Ich bin schon öfter für den Einsatz von Sollbruchstellen kritisiert worden, weil ich dadurch angeblich in Kauf nehme, dass bei unbeabsichtigtem Auslösen der Sollbruchstelle während des Drills der Fisch verloren geht und mit Haken oder gar dem ganzen Köder im Maul herumschwimmen muss.

1. Beim vorgeschlagenen Jighaken ist diese Gefahr überhaupt nicht vorhanden, weil die Jigkopf-Sollbruchstelle befindet sich ja nur zwischen Jighaken un Stahlkopf aber nicht in der Verbindung zwischen Angler und Fisch.

2. Beim Stinger ist lediglich zu beachten, dass die Bremskraft der Rolle merklich geringer als die Tragkraft des beim Stinger verwendeten Stahlvorfachs eingestellt ist. Ich verwende ein 5kg-Stahlvorfach, weil das meiner Meinung nach für Zander reicht. Wem das zu wenig ist, ist es aber unbenommen, ein stärkeres Stahlvorfach zu verwenden. Soll der Stinger als Sollbruchstelle fungieren, ist es natürlich logisch, dass Vorfach und Hauptschnur stärker als das Stahlvorfach des Stingers ausgelegt werden müssen. Wenn das beachtet wird, hat man Gerät, auf das man voll vertrauen kann und zugleich die Vorteile der Sollbruchstellen.

Angelgewichte aus Stahl/Stein für andere Angel-Methoden (Droshot, Vorschaltgewicht, Grundangeln):
Habe mir ein paar Lösungen überlegt, wie man auch bei anderen Angelmethoden das Blei durch ungiftigen Stahl bzw. Stein ersetzen kann. Hier habe ich es geschafft, Ersatzgewichte ohne jegliche Umweltverschmutzung durch Kleber oder Plastik herzustellen. Sie bestehen zu 100% aus Stahl bzw. Stein.
Siehe Gewichte für andere Angelmethoden